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Die drei Realitäten

Navigieren im Neuen - Endlichkeit

Endlichkeit

Es gibt den Moment, dass etwas schmerzhaft zu Ende geht. Dieser Realität müssen wir uns stellen, weil sie sicherer und realer ist wie das Versprechen des ewigen Wachstums, das uns am Leben halten soll.

Als Gesellschaft haben wir die Endlichkeit verdrängt und verbannt aus unserem Alltag – besonders aus unserem beruflichen und organisatorischen Arbeiten.
Das Ende von Unternehmen und Organisationen versuchen wir mit vielen Mitteln zu verhindern. Die Rettungsschirme für Unternehmen sind gigantisch. Aber eines zeigt sich schon jetzt: Wir werden nicht alles retten können.

Für mich bedeutet dies: Wir müssen uns der Endlichkeit stellen und sie als Prämisse in unser Denken aufnahmen. Ein Logikbruch wird erforderlich.

Unverfügbarkeit

OP-Masken sind nicht in ausreichender Menge verfügbar – die Verfügbarkeit von Intensivbetten wird zur Top-News. Zwei gut sichtbare Beispiele für die zweite Realität, der wir uns stellen müssen:
Die Unverfügbarkeit.

Wir haben nicht alles unter Kontrolle und können nicht über alles immer so verfügen wie wir es wollen. Das bedeutet für unsere Gesellschaft Ohnmacht
Und es löst eine gewisse Panik aus, weil ein weiterer Glaubenssatz erschüttert wird: Der Glaubenssatz der Machbarkeit und Verfügbarmachung des Planeten Erde durch den Menschen.

Sie ahnen es schon: Es geht nicht nur um Masken und Betten, sondern um viele materielle und besonders auch immaterielle Dinge.

Die gute Nachricht bei dieser Herausforderung ist: Die Offenheit, sich ihr zu stellen, hat auch eine Verheißung. Hartmut Rosa sieht in der Bereitschaft, sich der Unverfügbarkeit zu stellen, den Ausweg aus einer verstummenden Welt. (Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, 2018) Die Notwendigkeit des Bruchs mit den alten Denkweisen hin zu neuen Arten des Denkens, Kommunizierens und Handelns sind hier noch offensichtlicher.  

Rückgang

Die dritte Konfrontation, der wir uns stellen müssen, fordert ein fast nicht zumutbares neues Denken:
Der Rückgang.

Können wir es wagen zu denken, dass die immerwährende Steigerung des Konsums, die unaufhörlich steigenden Kurse, der ewig wachsende Wohlstand die immer bessere medizinische Versorgung aufhören?

Die letzten drei Generationen kennen nahezu nur eine Richtung: nach oben, immer mehr, immer besser, immer länger, immer sicherer, immer komfortabler, immer … .

Was, wenn der Glaube an diese Art der Lebens- und Weltgestaltung sich als unverantwortlicher und nicht tragbarer Irrglaube erweist? Es braucht auch hier den Mut zum Logikbruch und Paradigmenwechsel. Selbst wenn wir – die westlichen Gesellschaften – diese Krise auf Kosten vieler anderer für uns noch einmal „drehen“ könnten und an dem alten Glauben festhalten, so ahnen, spüren oder wissen es bereits:
Wir sind auf dem Holzweg.

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